Archiv für April 2014

Bericht zur antifaschistischen Demonstration in Bremen am 26.04.2014

Am vergangenen Samstag, dem 26. April 2014, sind in Bremen rund 350 Menschen lautstark gegen Rassismus auf die Straße gegangen. Die Demonstrant*innen forderten das Ende der rassistischen Kontrollen durch die Polizei, der tödlichen Grenzpolitik der EU sowie das Bleiberecht für alle Geflüchteten und die lückenlose Aufklärung des NSU- UnterstützerInnen-Netzwerkes.

Bei sonnigen 25 Grad lief die Demonstration vom Goetheplatz im „Viertel“, über die Domsheide, vorbei an der CDU-Zentrale am Wall, über den Brill durch die Innenstadt. In Redebeiträgen und auf Transparenten wurde Laye Alama Condé gedacht, der von der Bremer Polizei durch die Vergabe von Brechmittel getötet wurde. Die Pressesprecherin der „Antifaschistischen Gruppe Bremen“, Maren Müller, kritisierte: „Bis heute weigert sich die Hansestadt Bremen dem getöteten Laye Alama Condé ein Denkmal zu setzen. Die zwangsweise Vergabe von Brechmitteln ist schlichtweg Folter. Dies hat selbst das Europäische Gerichtshof für Menschenrechte anerkannt. Wieder einmal wird Rassismus nicht thematisiert, sondern tabuisiert.“
Entlang der Route verteilten die Teilnehmenden Flugblätter an Passant*innen. Laustark forderten die über 300 Demonstrant*innen mit Sprechchören das Ende des rassistischen Normalzustands und mehr Solidarität mit den von Rassismus betroffenen Menschen.

Antifaschistische Gruppe Bremen im April 2014
antifabremen.blogsport.de

Bilder: https://dissentimages.wordpress.com/2014/04/26/solidarisch-gegen-rassismus/

…und die Mobi löpt noch!

...und die Mobi löpt noch!

…und die Mobi löpt!

Interview auf Bremer Schattenbericht erschienen!

„So­li­da­risch gegen Rassismus”

16. April 2014

Anti­fa­schis­tIn­nen aus Bre­men rufen zu einer Demons­tra­tion gegen Ras­sis­mus auf. Am 26. April wol­len sie gegen die „deut­sche Nor­ma­li­tät” auf die Straße gehen. Der BREMER SCHATTENBERICHT sprach mit Maren Mül­ler, Spre­che­rin der Gruppe, über die geplante Demonstration.

Bre­mer Schat­ten­be­richt: Euer Auf­ruf zur Demons­tra­tion ist rund 14.000 Zei­chen lang. Könnt Ihr euer Anlie­gen an die­ser Stelle kurz zusammenfassen?

Maren Mül­ler: Wir wol­len mit unse­rer Demons­tra­tion natür­lich Öffent­lich­keit schaf­fen. Unser Auf­ruf ist der Ver­such einer Ana­lyse der, unse­rer Mei­nung nach, herr­schen­den ras­sis­ti­schen deut­schen Nor­ma­li­tät. Vom NSU– Pro­zess ist kaum noch etwas in den Medien zu lesen oder zu hören. Täg­lich ster­ben Men­schen an den EU-Außengrenzen, weil ver­sucht wird, ihnen den Zugang nach Europa zu ver­un­mög­li­chen. (mehr…)


Aufruf zur Demonstration
Sams­tag, 26. April 2014 | 15 Uhr | Goe­the­platz


So­li­da­risch gegen Ras­sis­mus
Kein Frie­den mit der deut­schen Nor­ma­li­tät

Vor nun­mehr zwei­ein­halb Jah­ren flog der „Na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche Un­ter­grund“ (NSU) auf – nach­dem zwei der Mit­glie­der ihr Ver­steck in Brand setz­ten und sich er­schos­sen. Das Ent­setz­ten über eine in der BRD agie­ren­de mi­li­tan­te Na­zi-​Grup­pe war zu­nächst groß.
Die Em­pö­rung über das ge­sam­te Aus­maß der ras­sis­ti­schen Mord­se­rie blieb je­doch ge­nau­so aus, wie der Mo­ment der Wut auf eine Ge­sell­schaft, in der Be­hör­den und die er­mit­teln­den Staats­die­ner *Innen¹ eine mör­de­ri­sche Or­ga­ni­sa­ti­on wie den NSU über Jahre hin­weg als nicht mög­lich be­trach­te­ten. Ras­sis­ti­sche Mo­ti­ve wur­den bei den Er­mitt­lun­gen von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen. Statt des­sen wurde sich bei der Tä­ter­su­che auf das Op­fer­um­feld kon­zen­triert und dabei auf­grund einer nicht deut­schen Her­kunft der Opfer, jedes mal ein an­geb­lich kri­mi­nel­ler Hin­ter­grund kon­stru­iert. Gab es in den ers­ten Mo­na­ten noch eine kon­ti­nu­ier­li­che Be­richt­er­stat­tung, in­ter­es­siert sich heute die Öf­fent­lich­keit nach über acht­zig Pro­zess­ta­gen gegen den NSU schein­bar wenig für den Stand der Er­mitt­lun­gen. Ge­nau­so wenig wurde und wird the­ma­ti­siert, dass es Ras­sis­mus ist, der die Mo­ti­ve für sol­che Taten lie­fert und es keine Grup­pe im Un­ter­grund geben kann, die nicht auf Hel­fer*Innen in der Ge­sell­schaft an­ge­wie­sen ist, die ihre Ideen mit tra­gen und mit die­sen ein­ver­stan­den sind.
Be­rich­te in den Me­di­en re­du­zie­ren den NSU mitt­ler­wei­le zu­neh­mend auf eine ein­zi­ge Per­son: Beate Zschä­pe. Dass sich eine Or­ga­ni­sa­ti­on wie der NSU auf weit über 150 mitt­ler­wei­le be­kann­ter Un­ter­stüt­zer*Innen ver­las­sen konn­te, dass die Mit­glie­der sich teils gar nicht im Un­ter­grund be­fan­den, son­dern ein schein­bar „nor­ma­les“ Leben füh­ren konn­ten, fin­det kaum noch Er­wäh­nung. Die Re­du­zie­rung des NSU auf Beate Zschä­pe ver­schlei­ert das Aus­maß der vor­han­de­nen Struk­tu­ren, auf die die Grup­pe zu­rück­grei­fen konn­te. Sie ver­schlei­ert den Blick auf die ge­sell­schaft­li­chen Zu­stän­de, die den NSU her­vor­ge­bracht haben, auf eine Ge­sell­schaft in der „ra­ci­al pro­filing“ und Ab­schie­bun­gen staat­li­che Pra­xis sind und in der ras­sis­ti­sche Vor­fäl­le eine er­schre­cken­de All­täg­lich­keit haben.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm
Die deut­sche Ge­sell­schaft bleibt eine Ge­sell­schaft, aus der eine ge­zielt mor­den­de Neo­na­zi­grup­pe nicht über­ra­schend oder aus dem Nichts auf­taucht. In den Nach­wen­de­jah­ren war Deutsch­land von einer mas­si­ven neo­na­zis­ti­schen Stra­ßen­mo­bi­li­sie­rung ge­prägt, des­sen Nach­wir­kun­gen sich in ei­ni­gen Ge­bie­ten bis heute zei­gen. In den Brand­an­schlä­gen und Po­gro­men von Ho­yers­wer­da, Ros­tock-​Lich­ten­ha­gen, Mann­heim, So­lin­gen, Mölln und wei­te­ren Städ­ten fand die ras­sis­ti­sche Hetze einen trau­ri­gen Hö­he­punkt. Die Neo­na­zis konn­ten sich dem Rück­halt und der ak­ti­ven Un­ter­stüt­zung gro­ßer Teile der deut­schen Be­völ­ke­rung si­cher sein. Diese un­ter­schwel­lig vor­han­de­nen bis offen zur Schau ge­stell­ten ras­sis­ti­schen Ein­stel­lun­gen ver­stärk­ten die Wahr­neh­mung der Neo­na­zis, in der sie sich als le­gi­ti­mer Voll­stre­cker eines Volks­wil­lens sehen.
Staat­li­che An­er­ken­nung fand der ras­sis­ti­sche Grund­kon­sens in der Ab­schaf­fung des Grund­rechts auf Asyl durch die CDU/CSU und FDP Re­gie­rung mit Un­ter­stüt­zung der SPD.
Par­al­lel zu dem “Auf­stand der An­stän­di­gen“, aus­ge­ru­fen nach dem Re­gie­rungs­wech­sel 2000, fin­gen die da­mals be­reits in den Un­ter­grund ab­ge­tauch­ten Mit­glie­der des NSU damit an, ge­zielt Men­schen zu er­mor­den. Dabei konn­te der NSU sich auf ein Un­ter­stüt­zer*In­nen­um­feld ver­las­sen, wel­ches sich aus Per­so­nen lo­ka­ler Ka­me­rad­schafts­sze­nen sowie aus dem „Blood and Ho­nour“- Netz­werk zu­sam­men­setz­te. Also genau dem po­li­ti­schen Spek­trum, wel­ches be­kann­ter­ma­ßen mit den Kon­zep­ten des „lea­der­less re­sis­tan­ce“² lieb­äu­gel­te bzw. diese offen pro­pa­gier­te. Gleich­zei­tig kam es zu einem wei­te­ren An­stieg mas­si­ver, oft töd­li­cher Ge­walt­ta­ten gegen Men­schen die nicht in das Welt­bild der Neo­na­zis pas­sen.
Dabei sind Brand­an­schlä­ge oder Morde, wie sie der NSU und auch so­ge­nann­te „Ein­zel­tä­ter“ ver­üb­ten, als mör­de­ri­scher Teil des ras­sis­ti­schen Zu­stan­des der deut­schen Ge­sell­schaft an­zu­se­hen.
Die deut­sche Ge­sell­schaft ist eine post­na­zis­ti­sche, wel­che samt Staat und ihren In­sti­tu­tio­nen aus einer Ge­sell­schaft her­vor­ging, die sich ganz den Ideen einer ras­si­schen Über­le­gen­heit und einem an­ti­se­mi­ti­schen Wahn ver­schrieb, der in der in­dus­tri­el­len Mas­sen­ver­nich­tung von Men­schen gip­fel­te.
Die Ge­schich­te der deut­schen Be­hör­den ist noch nicht an­nä­hernd auf­ge­ar­bei­tet. Nach­weis­lich sind In­sti­tu­tio­nen der Bun­des­re­pu­blik durch per­so­nel­le und recht­li­che Kon­ti­nui­tä­ten ge­prägt. Ein wirk­li­cher Bruch mit alten NS-​Funk­tio­nä­ren und dem deut­schen Na­tio­nal­so­zia­lis­mus fand nie statt. In den Auf­bau der Nach­rich­ten­diens­te, des Po­li­zei­ap­pa­ra­tes, der Jus­tiz, der Mi­nis­te­ri­en und Ämter der Bun­des­re­pu­blik wur­den Nazis ein­ge­bun­den und präg­ten somit die deut­sche Nach­kriegs­ge­sell­schaft.
Die deut­schen Ge­heim­diens­te sind an die­ser Stel­le eines der be­kann­tes­ten Bei­spie­le. Für den Ver­fas­sungs­schutz z.B. stan­den die Fein­de dabei immer links. Diese his­to­ri­sche Kon­ti­nui­tät von den Nach­kriegs­jah­ren über den kal­ten Krieg dau­ert bis heute an. Nicht nur durch den NSU-​Pro­zess tau­chen immer mehr An­zei­chen dafür auf, dass sich die per­so­nel­le Kon­ti­nui­tät der An­fangs­jah­re in eine ideo­lo­gi­sche Kon­ti­nui­tät in den Si­cher­heits­be­hör­den ver­wan­delt hat, die dazu führt, dass sich Ge­heim­diens­te und Po­li­zei immer wie­der auf dem rech­ten Auge blind zei­gen.

Fes­tung Eu­ro­pa hin­ter dem Jä­ger­zaun
Ras­sis­mus fin­den wir tag­täg­lich auf vie­len ver­schie­de­nen Ebe­nen. Ras­sis­mus äu­ßert sich dabei nicht nur in phy­si­scher Ge­walt gegen Men­schen. Ras­sis­tisch sind auch all­täg­li­che Hand­lun­gen in Form eines be­stimm­ten Sprach­ge­brauchs, also der Ver­wen­dung be­stimm­ter Be­grif­fe und Wör­ter oder auch Ver­hal­tens­wei­sen und die dis­kri­mi­nie­ren­de Ge­setz­ge­bung der Asyl­po­li­tik der BRD, sowie in den Me­di­en und im Bil­dungs­sys­tem prä­sen­te Ste­reo­ty­pe.
Das Flücht­lings­dra­ma von Lam­pe­du­sa im Ok­to­ber 2013, bei dem mehr als 350 Men­schen ums Leben kamen, scho­ckier­te. Dabei sind schreck­li­che Ge­scheh­nis­se wie die­ses kei­nes­wegs die Aus­nah­me – jeden Tag ster­ben Men­schen an den von der Eu­ro­päi­schen Ge­mein­schafts­agen­tur Fron­tex ab­ge­schot­te­ten Au­ßen­gren­zen Eu­ro­pas. Immer wie­der fin­den sich in den Me­di­en Mel­dun­gen dar­über, dass wie­der Men­schen er­tran­ken.

Wäh­rend an­ge­sichts der un­ge­zähl­ten Toten im Mit­tel­meer ver­meint­lich über­le­ge­ne mo­ra­li­sche Idea­le der „eu­ro­päi­schen Ver­ant­wor­tung“ ge­pre­digt wer­den und der Bun­des­prä­si­dent zu mehr Of­fen­heit und Mensch­lich­keit im Um­gang mit Flüch­ten­den mahnt, bleibt die men­schen­ver­ach­ten­de Pra­xis der Ab­wehr an den Au­ßen­gren­zen Eu­ro­pas wei­ter­hin be­ste­hen.
Ist es al­lein die Ver­wert­bar­keit nach ka­pi­ta­lis­ti­schen Maß­stab, die dar­über ent­schei­det ob ein Mensch in­ner­halb der eu­ro­päi­schen Ge­mein­schaft leben darf? Oder gilt tat­säch­lich eine Art Flücht­lings­hier­ar­chie, in der „rich­ti­ge“ Ge­flüch­te­te von an­geb­li­chen „Wirt­schafts­flücht­lin­gen“ un­ter­schie­den wer­den? Die Be­rich­te der Ge­flüch­te­ten, las­sen sich an letz­ter Stel­le auf le­dig­lich ein Wort her­un­ter bre­chen, mit dem sich der deut­sche Zu­stand be­schrei­ben lässt: Will­kür. Will­kür, die sich auf Recht und Ge­setz be­ru­fen kann – nur schein­bar ein Wi­der­spruch.
Vor­ran­gi­ges Ziel der deut­schen Flücht­lings­po­li­tik ist vor allem Ab­schre­ckung. Diese wird auch da­durch er­reicht, dass die Ge­flüch­te­ten mög­lichst lange in einem un­si­che­ren Sta­tus ge­hal­ten wer­den. Somit sind die oft­mals will­kür­lich er­schei­nen­den Ent­schei­dun­gen der deut­schen Aus­län­der­be­hör­den ein durch­aus ge­wünsch­tes Er­geb­nis der so­ge­nann­ten „Er­mes­sens­spiel­räu­me“ im Auf­ent­halts­recht.
Dem Pro­test von Ge­flüch­te­ten gegen die un­mensch­li­che Pra­xis der Aus­län­der­be­hör­den und einem Ein­tre­ten für ein uni­ver­sel­les Blei­be­recht für alle Men­schen, be­geg­net die deut­sche Po­li­tik mit men­schen­ver­ach­ten­der Igno­ranz und einer Kri­mi­na­li­sie­rung der Pro­tes­te – oft­mals ge­folgt von mas­si­ver Re­pres­si­on gegen die Ak­ti­vist*Innen.
So er­klärt auch der ehe­ma­li­ge Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Fried­rich in ge­wohnt ras­sis­ti­scher und po­pu­lis­ti­scher Ma­nier: „Wenn je­mand in ein an­de­res Land kommt um sich dort in die so­zia­le-​Hän­ge­mat­te zu legen, dann hört der Spaß auf und das ist lei­der eine nicht un­be­trächt­li­che Zahl, die hier­her kommt um ab­zu­sah­nen….“. Egal ob sol­che Aus­sa­gen aus po­li­ti­scher Be­rech­nung oder aus tie­fer ideo­lo­gi­scher Über­zeu­gung ge­tä­tigt wer­den, sie be­die­nen und ver­stär­ken immer vor­han­de­ne Vor­ur­tei­le und Res­sen­ti­ments.
Auch in Bre­men wer­den Ge­flüch­te­te oft­mals als Be­dro­hung emp­fun­den. Bür­ger*Innen, die mei­nen, dass ihre „Le­bens­qua­li­tät ge­min­dert“, oder die „ Angst haben, dass ihre Grund­stü­cke ent­wer­tet wür­den“ und die sich des­halb in Bür­ger­initia­ti­ven zu­sam­men­fin­den zei­gen, dass sie ihren durch­aus pri­vi­le­gier­ten Sta­tus er­kannt haben, die­sen un­an­ge­tas­tet wis­sen wol­len, und des­halb in so­zi­al-​chau­vi­nis­ti­scher Ma­nier nach unten tre­ten. Dass es auch durch­aus so­li­da­ri­sches Ver­hal­ten mit Ge­flüch­te­ten gab und gibt, soll nicht ver­schwie­gen wer­den, ge­nau­so so wenig wie die Tat­sa­che, dass es sich hier­bei lei­der um eine Min­der­hei­ten­po­si­ti­on han­delt.
Auch ver­steckt ras­sis­ti­sche Ste­reo­ty­pe wer­den immer wie­der be­dient, wenn z.B. be­haup­tet wird, dass die „Kul­tur“ der Ge­flüch­te­ten nicht zu „un­se­rer“ passe. Kul­tur ist damit nur ein Sprach­ver­steck für Ras­sis­men.
Diese men­schen­feind­li­che Be­trach­tungs­wei­se ist es, die Ab­schie­bun­gen ge­sell­schaft­lich le­gi­ti­miert, rechts­po­pu­lis­ti­schen Ent­wick­lun­gen Vor­schub leis­tet und die zu feh­len­der Em­pa­thie an­ge­sichts von Ka­ta­stro­phen, wie sie sich im Mit­tel­meer ab­spie­len, führt.
Feh­len­de Em­pa­thie und eine ras­sis­ti­sche Po­li­zei­pra­xis, die der Brech­mit­tel­ver­ga­be, waren es auch, die zum Tod von Laye Alama Condé im Jahr 2005 führ­ten. Trotz meh­re­rer Ver­fah­ren vor dem Bre­mer Lan­des­ge­richt wurde bis heute kein Täter für den Tod von Laye Alama Condé zur Re­chen­schaft ge­zo­gen. Dies zeigt in aller Deut­lich­keit wie wich­tig die Ar­beit un­ab­hän­gi­ger In­itia­ti­ven ist, die mit ihrer Tä­tig­keit Ver­ant­wort­li­che be­nen­nen und Druck auf die Be­hör­den aus­üben. Es zeigt wie wich­tig es ist, sich gegen die in der Ge­sell­schaft herr­schen­de Gleich­gül­tig­keit, ge­gen­über einem herr­schen­den ras­sis­ti­schen Nor­mal­zu­stand zu weh­ren.

Deut­sche Par­al­lel­ge­sell­schaft-​ Gar­ten­zwer­ge und Ha­ken­kreuz
Die­sen be­schis­se­nen deut­schen Zu­stän­den ent­spre­chend, gibt es auch in Bre­men und um zu eine durch­aus ak­ti­ve, or­ga­ni­sier­te Rech­te-​ bzw. Neo­na­zi-​Sze­ne. Par­tei­en wie „Bür­ger in Wut“ oder „die Rech­te“ oder auch die „AfD“ ver­su­chen mit ihrer Po­li­tik genau an die men­schen­feind­li­chen und aus­gren­zen­den Pa­ro­len an­zu­knüp­fen, wie sie z.B. in den Bei­rats­ver­samm­lun­gen in Bre­men Nord von an­we­sen­den Bür­ger*Innen und Ver­tre­tern*Innen ver­schie­de­ner Par­tei­en ge­äu­ßert wur­den. So ver­su­chen die Neo­na­zis sich als als wahre Ver­tre­te­rIn­nen und Schüt­ze­rIn­nen eines an­geb­li­chen „deut­schen An­lie­gens“ zu prä­sen­tie­ren.
Neben sol­chen Be­stre­bun­gen ver­su­chen Rechts­rock-​Bands wie in Bre­men u.a die Grup­pen „End­stu­fe“, „Bun­ker 16“ und „Ka­te­go­rie C“ einen rech­ten Li­fes­tyle zu eta­blie­ren. Mit einer Mi­schung aus Ge­walt, Männ­lich­keit und So­zi­al­dar­wi­nis­mus ver­su­chen Neo­na­zis, wie z.B. Hen­drik Os­ten­dorf, Ju­gend­li­che für ihre men­schen­ver­ach­ten­de Ideo­lo­gie zu be­geis­tern. Zu­sätz­lich hat sich auch in Bre­men eine Misch­sze­ne, be­ste­hend aus rech­ten Hoo­li­gans, Per­so­nen aus dem Ro­cker­mi­lieu und der Neo­na­zi­sze­ne ge­bil­det. Diese be­trei­ben, um ihre Ge­schäf­te nicht zu schä­di­gen, sel­ten offen neo­na­zis­ti­sche Po­li­tik, blei­ben aber den­noch einem rech­ten Li­fes­tyle ver­haf­tet. Um die­sen Li­fes­tyle aus­zu­le­ben, kön­nen sie in Bre­men auf be­ste­hen­de Struk­tu­ren und kon­kre­te Ört­lich­kei­ten zu­grei­fen. Aus die­sen Rück­zugs­räu­men, wie z.B. der Knei­pe „Bells“ an der Bre­mer Dis­comei­le, kommt es immer wie­der zu An­grif­fen auf Men­schen, die nicht in das Welt­bild der Neo­na­zis pas­sen.

Kon­se­quen­zen zie­hen
Der NSU hätte nie­mals über 10 Jahre im Ver­bor­ge­nen hand­lungs­fä­hig blei­ben kön­nen, wenn er nicht von den ge­sell­schaft­li­chen Zu­stän­den ge­tra­gen wor­den wäre. Das Des­in­ter­es­se der deut­schen Mehr­heits­ge­sell­schaft trägt dazu bei, dass sich kaum je­mand für den Mord an Laye Alama Condé in­ter­es­siert. Eben­so ist es in Deutsch­land mög­lich, dass Oury Jal­loh in einer Po­li­zei­zel­le ver­brennt, ohne dass auch nur ein ver­ant­wort­li­cher Po­li­zist dafür ju­ris­tisch be­langt wird.

Auch die Toten an den Au­ßen­gren­zen von Eu­ro­pa in­ter­es­sie­ren kaum län­ger als ein paar Tage.
Nicht nur im NSU Pro­zess, son­dern in un­ter­schied­lichs­ten Si­tua­tio­nen gilt die Aus­sa­ge „Ich bin doch kein Nazi oder Ras­sist“ als pro­blem­los glaub­wür­di­ges Be­kennt­nis und ent­las­tet die An­ge­spro­chen, jen­seits aller vor­han­de­nen Wi­der­sprü­chen in Bezug auf die wirk­lich vor­han­de­ne Welt­an­schau­ung – seien es ein­deu­tig rech­te Tat­toos oder Be­klei­dung, die Teil­nah­me an Neo­na­zi­de­mons­tra­tio­nen, nach­weis­ba­ren Über­grif­fen auf An­ders­den­ken­de oder ähn­li­ches.
Von al­lei­ne wird sich die­ser ras­sis­ti­sche Nor­mal­zu­stand nicht än­dern oder ab­schaf­fen. Dabei auf den Staat oder Par­tei­en zu ver­trau­en hal­ten wir für falsch. Es gilt die Ar­beit un­ab­hän­gi­ger an­ti­fa­schis­ti­scher und an­ti­ras­sis­ti­scher In­itia­ti­ven zu un­ter­stüt­zen.

Auch unter der Ge­schich­te des NSU darf es kei­nen Schluss­strich geben!
Dazu be­darf es So­li­da­ri­tät! So­li­da­ri­tät mit den Hin­ter­blie­be­nen der Opfer des NSU! So­li­da­ri­tät mit den Ge­flüch­te­ten, so­li­da­risch gegen den ras­sis­ti­schen Po­li­zei und Be­hör­den­ter­ror!

Feuer und Flam­me den Aus­län­der-​Be­hör­den!
Ab­schie­bun­gen ver­hin­dern!
Gegen die Un­ter­brin­gung von Men­schen in Sam­mel­un­ter­künf­ten!

Für eine Ge­sell­schaft jen­seits von Ras­sis­mus und Na­tio­na­lis­mus!
Für eine Ge­sell­schaft ohne Deutsch­land!

¹)Das Stern­chen meint die ge­schlech­ter­über­grei­fen­de An­spra­che und un­ter­schei­det nicht nur zwi­schen „Mann“ und „Frau“, son­dern be­zieht auch Queer, Trans, etc. als sich kei­ner he­te­ro­nor­ma­ti­ven Ka­te­go­rie zu­ord­nen wol­len­den Per­son mit ein. Bei den Be­griff „Nazis“ wurde dar­auf be­wusst ver­zich­tet, da ihre Ideo­lo­gie nur eine he­te­ro­nor­ma­ti­ve Ge­schlech­ter­kon­struk­ti­on zu­lässt.
²)„Lea­der­less re­sis­tan­ce“ be­deu­ted über­setzt „füh­rer­lo­ser Wi­der­stand“.
Die­ses Kon­zept des rech­ten Ter­rors be­zeich­net eine Stra­te­gie, die sich als Ge­gen­kon­zept zur nor­ma­ler­wei­se au­to­ri­tär und hier­ar­chisch auf­ge­bau­ten Na­zi-​Or­ga­ni­sa­tio­nen ver­steht, wel­che durch Ver­bots­ver­fah­ren ein­ge­schränkt wird.

Antifaschistische Gruppe Bremen März 2014