Archiv für September 2014

Gedanken zum Aufruf „Was ihr feiert: Armut, Ausgrenzung, Leistungszwang“

 

Im Aufruf zu den Gegenaktivitäten des diesjährigen „Tag der Deutschen Einheit“ werden drei Punkte hervorgehoben: Armut, Ausgrenzung, Leistungszwang. Mit anderen Worten: Es werden die Wirtschaftsweise und Ausgrenzungsmechanismen dieser Gesellschaft angeprangert.

Durch historisch gewachsene Besitzverhältnisse ist die kapitalistische Gesellschaft analytisch in Klassen geteilt: Die Besitzenden, die über Produktionsmittel verfügen und diese auf Grund von wirtschaftlichen Zwängen profitabel nutzen müssen, und die, die nur ihre Arbeitskraft anzubieten haben um überleben zu können.1 Gleichzeitig sind Konkurrenz und Wettbewerb, mit anderen Worten Leistungszwang, innerhalb und zwischen den beiden Gruppen Grundsätze dieser Art des Wirtschaftens. Dieser Leistungszwang muss zwangsläufig Gewinner und Verlierer produzieren, was dazu führt, dass es im Kapitalismus immer auch arme Menschen geben muss.
Rassismus und andere Ausgrenzungsmechanismen2 sind ebenfalls elementare Bestandteile dieser Gesellschaft und können als Ideologie vermeintliche Antworten auf die durch den Kapitalismus auftretenden Widersprüche dienen. Rassismus ist jedoch nicht erst durch den Kapitalismus entstanden und wird nach dem Kapitalismus nicht von selbst verschwinden. Als weit verbreitete Denkweise hat er großen Einfluss auf die Leben Vieler, so auch die im Aufruf erwähnte Außenpolitik der EU.
Dieser Analyse können wir soweit zustimmen. Was unserer Meinung nach jedoch fehlt, ist die Erwähnung der spezifisch deutschen Seite dieser drei Mechanismen. Zusätzlich gibt es einen Nationalismus, der diesem Land eigen ist. Diese Punkte wollen wir aus unserer Sicht kurz und aus einer eher historischen Perspektive erläutern. Es geht schließlich um den „Tag der deutschen Einheit“.
Wir hoffen mit diesen Zeilen eine Diskussion anzustoßen, wie sie unserer Meinung nach wieder nötig ist. Es soll weder ein destruktiver Angriff auf die Arbeit der Genoss*innen sein, die den Aufruf geschrieben haben, noch erheben wir den Anspruch endgültige Antworten gefunden zu haben. Wir unterstützen den Aufruf auch weiterhin. (mehr…)